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Wo sind Zwei- und Siebenpunkt geblieben?

Kinder lieben sie, Erwachsenen sind sie meist eher lästig: Die Rede ist von den Marienkäfern. Unsere heimischen Arten werden nun mehr und mehr von asiatischen „Einwanderern“ verdrängt. Mit einem speziellen Projekt soll nun aktiver Artenschutz für die kleinen gepunkteten Sechsbeiner betrieben werden.

Prof. Henning Wiesner und Prof. Gerhard Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlung München und Generaldirektor der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns kennen sich seit vielen Jahren. Bei einem persönlichen Treffen entstand die Idee für ein gemeinsames Projekt. Gerhard Haszprunar erzählte dabei von seinem Herzensanliegen: Den Bestand der heimischen Zwei- und Siebenpunk-Marienkäfern zu erforschen und den Menschen wieder näherzubringen.  Eine Projektidee gab es dazu bereits, von der Henning Wiesner so begeistert war, dass er spontan die Unterstützung der Akademie zusagte. 

Genauer gesagt geht es dabei um ein Citizen-Science-Projekt “Wo sind Zwei- und Siebenpunkt geblieben?”, welches in Kooperation mit der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz, der Zoologischen Staatssammlung München (ZSM), dem Landesverband Bayern des Verbandes der Biologen (VBIO-BY) und dem Lehrstuhl für Didaktik der Biologie der LMU (Prof. Neuhaus) gestemmt werden soll – mit folgenden Zielen:

 1. Wo kommt der Harlekin-Marienkäfer sowie die wichtigsten einheimischen Arten genau vor und wie weit ist deren Verdrängung fortgeschritten? Gibt es spezifische Rückzugsgebiete und wie sind diese charakterisiert? Dazu sollen Mitbürgerinnen und Mitbürger und insbesondere Schülerinnen und Schüler im Sommerhalbjahr 2022 mittels einer eigens entwickelten App Handy-Fotos mit Koordinaten einsenden. 

 2. Schon im Vorfeld der Aktion soll in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Didaktik der Biologie der LMU München Unterlagen für je eine Unterrichtseinheit in der Unterstufe und Oberstufe erarbeitet werden. Diese Unterrichtseinheit soll einerseits die Schülerinnen und Schüler zum Mitmachen motivieren, sie andererseits am Beispiel der einheimischen Marienkäfer in das Thema „Artenvielfalt und invasive Arten“ einführen. Über den VBIO Bayern wird dazu eine Lehrer-Fortbildung organisiert. 

 3. Parallel zur Handy-Foto-Aktion wird die breite Öffentlichkeit mittels Medien-Partnerschaften auf die Problematik eingeschleppter Arten und die Diversität der einheimischen Marienkäfer arten, (es gibt etwa 30 Arten in Bayern, stellvertretend für alle fast 7.000 Käferarten in Bayern) aufmerksam gemacht und sensibilisiert.

 Über die wissenschaftlichen Hintergründe des Projekts schreibt Prof. Dr. Gerhard Haszprunar: 

 „Der sehr farbvariable A) Asiatische oder Harlekin-Marienkäfer, Harmonia axyridis (Pallas, 1773) aus der Familie der Marienkäfer (Coccinellidae) kommt ursprünglich aus Asien. Die Art wurde ab dem Jahr 2000 in Europa, seit 2006 auch in Bayern zur biologischen Schädlingsbekämpfung bewusst eingeführt und ausgesetzt.

In der Tat ist Harmonia axyridis sowohl als Käfer, noch mehr aber als Larve ein sehr effizienter Blattlausbekämpfer, leider aber durch Massenauftreten an Fenstern und in Wohnungen nicht selten sehr lästig. Für den Weinbau ist er aber wirtschaftlich schädlich, da oftmals reife Trauben massiv angefressen werden und zudem schon relativ wenige, zufällig in die Traubenernte gelangte Käfer beträchtlichen negativen Einfluss auf die Weinqualität haben können. 

Harmonia axyridis legt deutlich mehr Eier pro Jahr als die einheimischen Marienkäferarten. Sporen von parasitischen Mikrosporidien im Blut führen dazu, dass andere Marienkäferarten, welche die Eier oder Larven von Harmonia axyridis fressen, schwer krank werden oder (meistens) sterben, der Asiatische Einwanderer ist dagegen aber immun. Dadurch wurden die einheimischen Marienkäferarten, allen voran der Siebenpunkt- (Coccinella septempunctata Linné, 1758) B) und der Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata Linne, 1758); C) in den letzten 20 Jahren europaweit massiv zurückgedrängt. 

Während aber sämtliche Stadien (Eier, Larven, Puppen, Imagines) von Adalia bipunctata konsumiert werden, attackieren die Larven und Imagines von Harmonia axyridis fast ausschließlich nur die Larven von Coccinella septempunctata (Koch, 2003). Unklar ist aber, inwieweit dieses unterschiedliche Beuteverhalten des Asiatischen Neozoen sich auf Vorkommen und Häufigkeiten der beiden einheimischen Arten auswirkt, bzw. ob und wenn ja wo sich letztere überhaupt noch in Bayern behaupten können. 

Ich bedanke mich im Namen der Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns (SNSB: www.snsb.de) ganz herzlich bei der Akademie für Zoo- und Wildtierschutz, die dankenswerter Weise das Projekt finanziell unterstützt.“ 

 

Kontakt

Akademie für Zoo- und Wildtierschutz e.V.
Osserstr. 44
81679 München - Germany
Telefon 089 99 88 68 50
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Die Akademie unterstützt als gemeinnütziger Verein Tier-, Natur- und Artenschutzprojekte weltweit und generiert sich aus Spenden, die steuerlich absetzbar sind. Wir wollen dadurch auch bedrohten und in Not geratenen Tieren helfen, die finanziell nicht abgesichert sind.

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