Bayern | Oberpfalz

Rettung eines seltenen Waldbewohners: Der Habichtskauz 

Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts brütete der Habichtskauz (Strix uralensis) in den Wäldern des ostbayerisch-tschechischen Grenzkammes. Doch seither war er verschwunden – der Mensch hatte ihn dort ausgerottet. Mittlerweile jedoch werden enorme Anstrengungen unternommen, um diese Spezies wieder anzusiedeln. Die Akademie hilft dabei mit. 

Johannes Bradtka, Vorsitzender des Verbands für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern, berichtet von dem Projekt:

 „Vermutlich wurde der letzte seiner Art um 1926 in Westböhmen geschossen. Obwohl seine Hauptnahrung nur aus Mäusen besteht, galt er damals als „schädliches Raubzeug“ und wurde rigoros bejagt. 

 Neben der Verfolgung durch den Menschen, trug die damalige Form der Waldbewirtschaftung zu seiner Ausrottung bei. Abgestorbene und morsche Bäume wurden als Brennstoff entnommen, kleinere und größere Offenflächen im Wald fielen Aufforstungen zum Opfer. Viele ältere Mischwälder wandelte man zudem in dicht stehende Fichtenmonokulturen um. All das führte schließlich zu dem endgültigen Erlöschen dieser wunderschönen Art in Mitteleuropa. Lange nach der Ausrottung von Bären, Wölfen und Luchsen verschwand somit ein weiterer wenig scheuer Beutegreifer aus unseren Wäldern. 

Die Freude war daher riesengroß, als wir im Jahr 2016 von der Regierung der Oberpfalz die Genehmigung zur Wiederansiedlung des Habichtskauzes erhielten. Voraus ging eine längere Zeit der Planung und Vorbereitung. Das Kerngebiet unseres Wiederansiedlungsprojektes umfasst den Naturpark Steinwald, den nördlichen Oberpfälzer Wald und das südliche Fichtelgebirge. Diese Landschaftsräume gehören zum historischen Verbreitungsgebiet des Uralkauzes, wie der kleine Habichtskauz auch genannt wird. Die dünn besiedelte, waldreiche Region ist relativ gering durch Verkehrswege, Dörfer und landwirtschaftliche Flächen fragmentiert. Die naturräumlichen Voraussetzungen für einen Erfolg der Wiedereinbürgerung sind somit gegeben. 

Hauptziel des Projektes ist es, eine kleine, ohne menschliche Hilfe überlebensfähige Population zu etablieren. Diese soll sich langfristig entlang der nordostbayerischen und nordwestböhmischen Mittelgebirge nach Südosten hin ausbreiten und mit dem räumlich und genetisch isolierten Kleinvorkommen im bayerisch-böhmischen Wald vernetzen. Das Projekt wird mit Kooperationspartnern – darunter die Akademie für Zoo- und Wildtierschutz, die Heinz-Sielmann-Stiftung, der Deutsche Falkenorden und die Bayerischen Staatsforste - realisiert. In den zurückliegenden drei Jahren erhielten wir aus anerkannten zoologischen Einrichtungen insgesamt 18 junge Habichtskäuze. 

Vor ihrer Auswilderung wurden sie in geräumigen Waldvolieren rund vier Wochen lang in ihren neuen Lebensraum eingewöhnt. Flankierend dazu brachten wir bisher rund 140 große Nistkästen an geeigneten Standorten im Wald an. Sie sollen die vorhandenen natürlichen Brutmöglichkeiten – Hochstümpfe und starkes Totholz – ergänzen und den Bruterfolg und die Ausbreitung des Habichtskauzes beschleunigen. Zur Verbesserung der für den Uralkauz typischen Strukturelemente begannen wir, mit den Waldbesitzern offene Flächen im Wald und starkes stehendes Totholz und Hochstümpfe neu zu schaffen oder vorhandene Strukturen zu verbessern. 

Von dem Projekt profitieren neben vielen auf Totholz angewiesene Vogelarten auch Fledermäuse, Flechten, Moose, sowie xylobionte Pilze und die Insekten. Das öffentliche Interesse und die Resonanz an der Wiederansiedlung sind äußerst positiv. Waldbesitzer, Jäger und die gesamte Öffentlichkeit wurden bereits im Vorfeld informiert und werden regelmäßig über wichtige Projektschritte auf dem Laufenden gehalten. Innerhalb von nur drei Jahren konnten wir ein erstes Habichtskauz-Revier bestätigen.“ 

Kontakt

Akademie für Zoo- und Wildtierschutz e.V.
Osserstr. 44
81679 München - Germany
Telefon 089 99 88 68 50
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Die Akademie unterstützt als gemeinnütziger Verein Tier-, Natur- und Artenschutzprojekte weltweit und generiert sich aus Spenden, die steuerlich absetzbar sind. Wir wollen dadurch auch bedrohten und in Not geratenen Tieren helfen, die finanziell nicht abgesichert sind.

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